Hsipaw Trekking

Montag, 4. April 2016 Gegen 8.30 Uhr ging es los. Unsere Gruppe bestand dieses Mal aus 7 Personen: Sara, Sue, Alex und Frank aus London, Eddie aus Schottland und ich, sowie unserem Guide Oslo. Bevor wir Hsipaw hinter uns lassen konnten, haben wir noch einige Male angehalten. Als erstes stießen auf unserem Weg auf eine Art Prozession oder Parade, die zu Ehren der Kinder gefeiert wird, die für eine Woche oder längere Zeit als Mönch oder Nonne leben. Kurze Zeit später erregte eine kleine Reisnudelfabrik in einem Hinterhof unsere Aufmerksamkeit. Zuerst werden große Reisnudel-Platten hergestellt und anschließend mit Hilfe einer Maschine in lange dünne Streifen geschnitten und zum Trocknen in die Sonne gehangen. Das Verfahren würde mit Sicherheit nicht ganz den deutschen Hygienestandards entsprechen. 🙂 Als wir einen Kindergarten passierten wurden wir kurzerhand zum Tee eingeladen. Einen Tag zuvor hatte ich einem Tante Emma Laden in Hsipaw Luftballons und Seifenblasen gekauft (Danke an Jeanette für die Idee). Der Kindergarten war der ideale Ort, um die Luftballons an den Mann eher ans Kind zu bringen. Auch die anderen aus der Gruppe hatten Spaß und haben beim Aufblasen der Ballons geholfen. Wir passierten Felder, einen Friedhof und ein Krematorium bis der anstrengende Teil der Wanderung bergauf ins Hochland begann. Die Sonne brennt um diese Uhrzeit unermüdlich von oben herab und innerhalb kurzer Zeit waren wir alle nass geschwitzt, bis auf unseren Guide, ihm schneit die Hitze nicht so viel auszumachen. Unsere Wanderroute sah vor tief in die bergige Gegend um Hsipaw vorzudringen und verschiedene Shan Dörfer zu passieren bzw. zu  besuchen nd in einem Paluang Dorf (Die Paluang sind eine Minderheit in dieser Region) zu Mittag zu essen bzw. zu übernachten. Der Shan-Staat ist eine der fünfzehn Verwaltungseinheiten in Myanmar. Es ist die größte dieser Verwaltungseinheiten und umfasst annähernd ein Viertel der Gesamtfläche des Landes. Die Mehrheit der Bewohner des Shan-Staates gehören der Minderheit des Shan-Volks (ca. 4-6 Millionen, zum Vergleich: Gesamtbevölkerung Myanmar: 51 Millionen) an.). Osso, unser Guide, hat uns einen kleinen Einblick zu dieser Thematik gegeben. Es stellte sich schnell heraus, dass es in Myanmar eine große ethnische Vielfalt herrscht und dies unter anderem ein Grund (wenn nicht vielleicht auch der Hauptgrund) für die politische Instabilität des Landes ist. Unser Guide hat uns auch vorgewarnt, dass wir in den Dörfern auf Soldaten treffen werden und beruhigte uns, dass wir nicht von Interesse für die Soldaten seien, aber hat uns gebeten, keine Fotos von diesen zu machen. In dem Dorf, in dem wir zu Mittaggegessen haben, sind wir auf die ersten Soldaten getroffen. Die Soldaten waren nicht älter als 20 oder 25. Einige hatten Camouflage Kleidung an, andere nur eine Jeans und T-Shirt darunter Flip Flops. Jedoch waren alle mit harter Munition - Ak47's und Kalashnikovs - bewaffnet. Einige trugen Munitionsgürtels über der Brust oder ein scharfes Messer am Gürtel. Ein bisschen unwohl fühlt man sich schon. Unserem Guide fiel es schwer die Soldaten zu zuordnen bzw. zu sagen wen sie repräsentieren. All die anderen Teile des Landes, die ich bis jetzt gesehen habe, waren politisch ruhig, kein einziges Zeichen von politischen Unruhe/Problemen. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ist was die Touristen zu sehen bekommen - das friedliche Myanmar. Wenn man hinter den Vorhang schaut, erkennt man, dass das Land immer noch stark zerrissen ist aufgrund der verschiedenen Völkern und deren Geschichte. Es gibt wohl 4- 5 Hauptgruppen. U.a. die Bamar, die derzeit an der Macht sind und die Armee kontrollieren (Aung San Suu Kyi gehört auch dieser an) und dann gibt es noch einige andere Volksgruppen, die jeweils etwa 6-9 % der burmesischen Bevölkerung ausmachen und die auch ihr Anrecht geltend machen das Land zu regieren oder zumindest anteilig mitregieren möchten. Der Staat in dem ich mich derzeit befinde ist der Shan-Staat. Die Täler und Hochebenen sind von den Shan bevölkert. Ihre Sprache und Riten ähneln denen der Thai, Dai und Laoten. Das Volk der Shan oder der Staat unterteilt sich nochmals in Norden und Süden - und beide Teile haben ihre eigene Armee. Zwischen den Shan-Völkern befinden sich Minderheiten wie die Paluang, die sich teilweise den Shan anschließen teilweise nicht. Fühlen sich diese Gruppen bedroht, so haben sie zu ihrer Verteidigung ihre eigene kleine Armee, auch bewaffnet mit AK47s und Kalashnikovs. Allem in allem keine gute Basis für ein Land. Mit dem derzeitigen Wechsel der Regierung scheint es, dass einige politische Änderungen im Land erfolgen und das Land stark im Wandel steht, im positiven Wandel. Man war das eine lange Wanderung. Wir sind etwa 25 km gelaufen, in der Hitze und bergauf hat es sich eher wie  30 km angefühlt. Gerade als anfängt dunkel zu werden erreichen wir unser Zielort. Am Anfang des Dorfes treffen wir auf ein paar bewaffnete Männer eher Jungs, die uns recht emotionslos beobachten. Ziemlich erschöpft wurden wir von unseren Gastgebern in deren Haus empfangen. Das Haus war recht groß. Ein Großteil der unteren Ebene bestand aus einem großen offenen Raum. Auf der einen Seite steht eine alte Industrie-Nähmaschine und einige Vorräte liegen herum. In der Mitte des Raumes steht ein runder Tisch, an dem wir später Essen werden. Auf der anderen Seite stehen verschiedene Sitzmöglichkeiten und ein Fernseher, der mit Solarenergie betrieben wird. Es scheint, das viele Menschen ein und aus gehen, darunter auch einige bewaffnete Männer. Und in dem Haus wohnen sicherlich 3 Generationen zusammen leben. Am meisten haben wir uns wohl alle über ein Bier und eine Dusche gefreut, wohl gemerkt eine Eimer-Dusche. Später gab es ein sehr leckeres traditionelles Palaung Abendessen mit verschieden vegetarischen Gerichten und natürlich Reis. Nach dem Essen haben wir alle noch bei einem Bier zusammen und gequatscht bis uns etwa gegen 21 Uhr die Augen zugefallen sind. Im oberen Teil des Hauses wurden für uns dünne Matratzen mit Decken und Kissen unter einem Moskitonetz zurecht gemacht. Innerhalb weniger Minuten bin ich hundemüde und erschöpft eingeschlafen. Dienstag, 5. April Geweckt wurden wir am nächsten Morgen von der allgemein Geschäftigkeit der Dorfbevölkerung und natürlich auch von den krähenden Hähnen. 🙂 Osso erzählte uns einen Tag zuvor, dass die Arbeit auf dem Feld bereits gegen 3/3.30 Uhr morgens beginnt, da es tagsüber viel zu heiß ist. Nach einem typischen Frühstück - vegetarische Gerichte und Reis und natürlich grünen Tee, habe ich die mitgebrachten Luftballons und Seifenblasen zur Freude aller Kinder ausgepackt und verteilt. Alle haben mit geholfen, die Luftballons aufzublasen. Die Kinder tollten glücklich mit den Ballons umher, banden sie an eine Schnur und zogen sie hintersicher her etc. Es war schön zu sehen, dass wir den meisten (wie ihr auf den Fotos sehen werdet) ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnten. Gegen 9 Uhr hieß es Abschied nehmen. Weitere 18 Kilometer lagen vor uns, das meiste jedoch war eben oder bergab, daher erreichten wir gegen Mittag mit einer kleinen Pause unseren Zielort, wo schon ein Taxi auf uns wartete. Wir stoppten noch an einer heißen Quelle. Es war herrlich die Schuhe auszuziehen und den Staub der Wanderung von den Füßen und Beinen zu waschen. Zum Abschluss gab es noch eine leckere Shan-Suppe und dann mussten wir uns schon wieder verabschieden. Auch wenn die Wanderung in der Hitze anstrengend war, kann ich sie jedem nur empfehlen. Tolles Erlebnis!

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